Die Beyond Tellerrand umgibt ein ganz besonderer Spirit, den wir in diesem Frühjahr schmerzlich vermissen. Marc hat mit seiner offenen herzlichen Art und einer Menge harter Arbeit eine Community von inspirierenden sympathischen Menschen um sich herum gescharrt. Diese Atmosphäre trägt sich durch die ganze Veranstaltung und gibt vielen kleinen Zufallsbegegnungen Raum.

In diesem Geiste hätten wir lieber mit euch alte und neue Freundschaften aufleben lassen, aber so bleibt uns immerhin in Erinnerungen zu schwelgen und uns auf ein Wiedersehen zu freuen. Hier kommen unsere Lieblingstalks aus den vergangenen zwei Jahren Beyond Tellerrand in Düsseldorf.

David Delgado Imagination, Desire and the Call of the Future

Playground of imagination nennt David Delgado seinen Arbeitsplatz am Jet Propulsion Lab der NASA. Es klingt ein bisschen nach Willy Wonkas Schokoladenfabrik, wenn er mit kindlich strahlenden Augen spricht. Diese Freude zieht sich durch alle Projekte, die er an diesem Abend zeigt.

Als Designer macht er die Arbeit am JPL in den verschiedensten Formen für uns greifbarer. Beispielsweise als Installation, die man erleben kann oder als Stickerset der Clubs for the Modern Explorer mit Freizeitbeschäftigungen wie Hockey auf einem Eisplaneten spielen.

Keine Frage, wir träumen immer noch von diesen Stickersets. Die Tragweite seiner Arbeit zeigt sich aber nochmal als er Imagine Mars vorstellt, bei dem er mit Jugendlichen aus den Projects Ideen für ein Leben außerhalb der Erde entwickelt.

Das Kind und der Erwachsene in mir sind immer noch begeistert von diesem Talk aus Davids Schokoladenfabrik. — Christian

Shirley Wu Data, Design, Code

Mit Datenvisualisierungen lassen sich Geschichten erzählen, denn Daten können Abbild menschlichen Verhaltens oder Merkmalen sein. Das können unterhaltsame Analysen sein wie die Beziehungen von Charakteren im Musical Hamilton untereinander, aber auch ernste datenjournalistische Arbeiten wie der Umgang der USA mit obdachlosen Menschen, die mit kostenlosen Busfahrkarten aus den Großstädten heraus gelockt werden.

In der zweiten Hälfte des Talks begeisterte Shirley uns mit einer Live-Coding-Session, in dem sie anhand eines Beispielprojekts ihren Workflow mit Vue, D3.js und Greensock zeigte, an dessen Ende eine interaktive Grafik auf Basis der Internet Movie Database stand. Es gehört viel dazu, auf einer Konferenz live zu coden – umso beeindruckender war diese makellose Session, die uns bis heute fasziniert. — Benedict

Claire L. Evans Broad Band – What History’s Female Internet Pioneers can Teach us about Tomorrow

Im Mai 2018 hatte ich gerade erfahren, dass meine Frau und ich eine kleine Tochter erwarten. Claire Evans’ Talk über Frauen, die sich ihren Platz in der Geschichte des Internets hart erkämpft haben und trotzdem oft übersehen werden, hat an diesem Tag einen ganz besonderen Nerv bei mir getroffen.

Without me if you just blew on the internet it would fall over and die — who can say that?

Claire Evans erzählt von brillanten Frauen, die sich trotz aller Widrigkeiten in einer männlich dominierten Welt durchgesetzt haben. So wie Radia Perlman, die die Entwicklung von Ethernet maßgeblich beeinflusste und eine der führenden Wissenschaftler:innen ihres Fachs wurde. Sie war eben nicht wie alle anderen, hat das Feld diverser gemacht und neue Ideen eingebracht.

Mit scharfsinniger Analyse und viel Witz bringt Claire drei Lektionen rüber, die man besser parat haben sollte, wenn man wieder mal den Feminismus vor dem Patriarchat verteidigen muss. — Christian

Dina Amin A Tinker story

In ihrem Vortrag zeigt Dina Amin, wie sie ihre Leidenschaft Alltags­gegen­stände auseinander zu nehmen in großartige Stop-Motion-Trickfilme umwandelt. In detailverliebter Kleinstarbeit baut und animiert sie Figuren und Szenerien aus weggeworfenen elektrischen Rasierapparaten und Zeitschaltuhren, Kameras, Puppen und vielem mehr. Sie erzählt auch davon, wie es ist als junge Ägypterin ihren eigenen Weg zu finden und wie ihr das Web mit den unendlichen Informationen dabei geholfen hat. — Benedict

Mike Hill The Power of Metaphor

„Think about these events in the context of your own life“. Ich höre zu wie Mike Hill über die unbekannte Welt spricht, durch die Held:innen auf ihrem Weg schreiten müssen. Im April 2020 fiele es mir schwer unsere Lebenswirklichkeit nicht als Kontext dieser Heldenreise zu begreifen.

Der Monomythos ist das Framework, in dem so viele Geschichten, die uns Menschen bewegen, erzählt werden. Im Kern Jahrtausende alt, vom amerikanischen Anthropologen Joseph Campbell in „The Hero with a Thousand Faces“ ausformuliert, von Christopher Vogler für Hollywoods Drehbuchautor:innen heruntergebrochen.

Wir dürfen gespannt sein, woran wir gewachsen sein werden, wenn wir wieder in die bekannte Welt zurückkehren. — Christian

Mike Monteiro How to Build an Atomic Bomb

43 Mal in 55 Minuten benutzt Mike Monteiro das F-Wort, aber es fühlte sich nach mehr an. Mit viel Wut im Bauch hielt er also diesen Vortrag über die ethische Verantwortung von Designer:innen und arbeitet sich ab an Twitter, Facebook und Donald Trump.

If you’re building a wall, you better be okay on either side of it.

Mike Monteiro über den Einfluss und die Verantwortung der eigenen Arbeit

An die Silicon Valley Tech-Szene im Speziellen, aber auch an die ganze Branche weltweit gerichtet verlangt er, dass ein stabiler ethischer Wertekanon genau so eine wichtige Grundfähigkeit ist wie programmieren oder gestalten. Im zweiten Teil schließt er ab mit zehn Denkanstößen, die einem die Reichweite des eigenen Handelns verdeutlichen. — Benedict

Was waren eure Favoriten der letzten Jahre? Erzählt uns davon auf Twitter und lasst uns virtuell auf die #btconf anstoßen! 🍻

Wir ziehen unseren Hut vor Marc, seinem Team und allen Speaker:innen. Vielen Dank für großartige Zeiten im Capitol und für alles, was noch kommt! 🙌

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